Resignation?

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Aleppo wird zum Sinnbild des Todes der Menschlichkeit! In Aleppo und an vielen anderen Stellen hat unsere Zeit ihr wahres Gesicht gezeigt. Das Verrauen auf Menschlichkeit ist eine Illusionen. Es gibt sie nur noch in wenigen privaten Bereichen; in der Welt ist sie nicht zu Hause. In der Welt regiert die Sinnlosigkeit, der Tod.

Nun passt das Erleben der Zeit gut zu dem, was Menschen schon immer empfunden haben: Am besten hält man den Mund, wenn man für die Realität keine passenden Worte mehr hat, wenn sich die Wörter abgenutzt haben. Was soll man noch sagen, wenn das Grauen nicht mehr mit menschlichen Worten zu beschreiben ist? In diesen Tagen wurde eine neue Metapher des Grauens geboren: Aleppo!

Was soll man noch sagen, wenn alles gesagt ist? Dann soll man wohl besser schweigen. Ist das Resignation? Ist es Enttäuschung? Es ist das Ergebnis langen Nachdenkens, das Ergebnis der allgemein menschlichen Erfahrung.

Und es ging vor mir vielen Menschen so. Ich befinde mich da in bester Gesellschaft. Gegen Ende des Lebens – spätestens dann – wird man kleinlaut, leise, schweigsam. Menschen haben das Leben zu allen Zeiten als enttäuschend empfunden, was nicht bedeuten soll, dass sie nicht gerne lebten. Nein, es ist die Summe des ganzen Unternehmens. „Das Spiel ist die Kerzen nicht wert!“ Wie wahr! Oder: „Vulnerant omnes, ultima necat.“ („Jede verletzt, die letzte tötet.“ Gemeint sind die Stunden des Lebens.) Und der Verwalter der Schauenburgischen Güter im Dorf Gaisbach zitierte nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges einen Bußprediger:

„Adieu Welt! Dann auf dich ist nicht zu trauen, noch von dir nichts zu hoffen: in deinem Haus ist das Vergangene schon verschwunden, das Gegenwärtige verschwindet uns unter den Händen, das Zukünftige hat nie angefangen, das Allerbeständigste fällt, das Allerstärkste zerbricht und das Allerewigste nimmt ein End, also dass du ein Toter bist unter den Toten, und in hundert Jahren lässt du uns nicht eine Stunde leben.“ (Grimmelshausen, Simplizissimus)

Oder zitieren wir einen jungen Mann in einem Pariser Hotel in den Fünfziger Jahren:

„Ich kann nicht mehr mit dem Leben ringen. Ihr, die ihr glaubt, wirklich zu leben, welche Beweise habt ihr dafür in der Hand?“ (Sadeq Hedayat, Lebendig begraben)

Und damit setzen sich nur die Gedanken fort, die im Bibelbuch „Prediger“ das Feld beherrschen. Pessimistischer kann man nicht sein, wenn man schreibt:

„Und ich hasste das Leben, weil die Arbeit, die unter der Sonne getan worden ist, von meinem Standpunkt aus unglücklich war, denn alles war Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind“. (Prediger 2:17)

Zu allen Zeiten findet man solche Äußerungen, die mit Herzblut geschrieben worden sind. Sind das pathologische Gedanken? Nein, es ist die nüchterne Sicht auf die Dinge, denn: die Lebenden sind sich bewusst, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen gar nichts! (Prediger 9:5)

Und auf der anderen Seite stehen die Optimisten! „Alles wird gut!“ „Wo wir sind ist vorne!“ „Heute ist alles besser als gestern, doch morgen wird es noch viel besser als heute sein!“ Auch das ist mir zuviel Dummheit, zuviel geistige Blindheit, zuviel Sinnlosigkeit und Wurstigkeit. Hier scheint es mir an innerer Wahrhaftigkeit zu fehlen. Hier triumphiert die Selbsttäuschung. Es tut mir nicht leid, so etwas zu schreiben. Ich kann nicht anders, denn ich sehe, wohin die Geschichte steuert. Aber wer hört zu? Hat die Menschheit überhaupt etwas begriffen? Es gab immer nur wenige, die ein Gefühl für die erlebte Wirklichkeit hatten, die hinter dem schönen Schein den Abgrund sahen. Sie waren immer Einsame; nie waren sie die Helden des Tages, niemals waren sie in der Mitte aufgeregter Massen. Sie lebten in der Stille und schwiegen, nachdem alles gesagt war. Oder soll ich besser den Apostel Paulus zitieren, der sagte: und die Welt war ihrer nicht würdig?

Nein, das soll kein Selbstmitleid sein. Es ist die nüchterne Bilanz eines alten Mannes, der trotzdem mit seinem Leben zufrieden ist und war, denn es gibt ja noch ein privates Leben, ein Leben in einer Nische oder auf einer Insel. Und da kann das Leben berückend schön sein. Und dieses Leben war mir beschieden! „Durch alle Alter geschritten, als Kind, als Mann, als Greis. Und immer am Leben gelitten, ward mir die Welt zu Eis.“

Und immer am Leben gelitten? Ja. Meine Rettung war die Erfahrung Gottes. In der Bibel fand ich zwar meinen Pessimismus bestätigt, aber ich war dann doch nicht ohne Hoffnung, denn die Bibel beschreibt einen Ausweg aus dem Elend dieses Daseins. Sie beschreibt den Weg zurück. Den Weg zu Gott, den Weg zum wirklichen Leben.

Ich bin diesen Weg gegangen. Ich bin ihn gerne und mit Freuden gegangen. Und immer war es der Geist des Wortes Gottes, der mich begleitete und mich veränderte. Ich ließ mich darauf ein, weil ich es so wollte. Ich wollte leben aus innerem eigenem Selbst. Für mich bedeutete es zuerst, mein Selbst zu entdecken. Ich musste eine Reise in mir selbst antreten und am Ende entdecken, welche Bedürfnisse ich wirklich habe.

Und dann musste ich mutig sein, mich gegen meine Umgebung durchzusetzen, die ja immer darauf aus ist, einen Menschen zu vereinnahmen, ihn für irgendwelche Zwecke dienstbar zu machen, ihn dazu zu bringen, schließlich gegen seine eigenen spezifischen Bedürfnisse als Mensch zu leben. Durch die Erkenntnis Gottes, diese intime, nicht vermittelbare Erfahrung des Schöpfers, wurde mir auch meine Verantwortung bewusst. Ich fühlte mich in den großen Gesamtzusammenhang des Lebens eingewoben und verpflichtet, im Leben wahrhaftig zu werden. Ich wollte also Leben in eigener, bewusst wahrgenommener Verantwortung im Sinne der Bergpredigt Jesu (Mathäus 5-7). Kein Mensch hat mich dazu überredet oder mit Schlagworten betrunken gemacht. Mein Selbst wollte es so, denn ich entdeckte in mir die Verwandtschaft meiner innersten Wünsche und Gedanken mit der Bibel. Bis heute war es mir möglich so zu leben. Und mir ist zutiefst bewusst, dass dies ein Geschenk Gottes ist. Und so gebe ich allein ihm die Ehre.

 Nun habe ich mich gänzlich zurückgezogen. Ich lebe auf meiner kleinen Insel und hoffe, dass man mich in Ruhe lässt. Nun warte ich nur noch auf das Ende – mein eigenes und das dieser gottverfluchten Welt.

Die Krise

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Haben wir eine Zukunft? Das hängt davon ab, was wir von ihr erwarten. Wenn es stimmt, dass die Zukunft immer im Heute beginnt, dann sieht es für uns schlecht aus.

Wenn ich an die vielen Nachrichten der vergangenen Jahre denke, dann habe ich nur eine allgemeine Erinnerung, einen Eindruck, der immer wieder bestätigt wurde: Die Nachrichten sind über mich hereingebrochen wie ein donnernder Wasserfall. Eine Unglücksmeldung jagte die nächste. Es schien sich alles zu überschlagen und man kam gar nicht dazu etwas zu verarbeiten, dann war schon die neue schreckliche Nachricht da.

Kriege (ich glaube, dass dies nicht mehr das richtige Wort ist), Naturkatastrophen, Umweltzerstörungen, kleine Weltuntergänge, Ungeheuerlichkeiten, Bedrohungen, perspektivlose und gewissenlose Politik, Entsetzen und Grauen: Das geschieht täglich und wird zu unserem Alltag. Und dann die allgemeine Lage: Jeder verliert jeden, jeder scheint gegen jeden zu sein. Ist das schon der Untergang oder erst seine Ouvertüre?

Das ist alles nicht neu! Mich würde interessieren, wie frühere Generationen die Welt wahrgenommen haben. Lange suchen muss man nicht. Schon ein Papyrus aus dem alten ägyptischen Reich schreit heute noch eine Klage in unsere Ohren über die unzumutbaren Verhältnisse, mit denen ein kleiner Mensch am Nil nicht mehr zurechtkam. Und so geht es weiter. Die ganze Geschichte hindurch hatten die Menschen immer mehr oder weniger das Gefühl, die Welt sei aus den Fugen geraten. Das ging soweit, dass man immer wieder den Untergang erwartete. Bisher ist er ausgeblieben. Aber wie lange kann das noch so weitergehen?

Wir sind uns heute sicher, dass das Leben immer stärker bedroht wird. Es sind Waffenarsenale vorhanden, die alles, was bisher möglich war, in den Schatten stellen. Und es ist auch die Gesinnung da, welche den Funken bilden kann, um die Katastrophe auszulösen. Die Umweltzerstörung schlägt schon auf uns zurück; das Wasser steht uns fast bis zum Hals. Die Folgen eines hemmungslosen und unverantwortlichen Wirtschaftens stehen vor unseren Augen. Weltweiter Hunger, weltweiter Krieg, weltweite Seuchen, weltweiter Terrorismus, weltweite Flüchtlingsströme, weltweite Anarchie: Alles , alles Unheil rückt näher und steht morgen schon vor uns.

Natürlich wird davor gewarnt; das wird in Talkshows breitgetreten, das wird in Filmen vorweggenommen, das ist Grund für so viele Ängste geworden. Über die Ursachen herrscht Konsens, aber über die Lösungen dieser Probleme streitet man, bis es zu spät ist. Und alle sehen sich an und ahnen die Katastrophe.

Wie geht man damit um? Wo ist Licht in dieser Dunkelheit? Die Antwort auf diese Fragen muss jeder selbst finden. Viele haben sie in der Bibel gefunden und erwarten das Ende der Zeit.

Es füllen sich die blutigen prophetischen Bilder der Offenbarung (das letzte Buch der Bibel) mit Bedeutung und Leben! Ja, die Welt ertrinkt im Blut! Man versammelt sich gegen Gott! Man rüstet zum letzten Krieg gegen Gott! Und die Menschen werden immer stärker manipuliert, betrogen und geängstigt. Ohne Orientierung irren sie umher und bekommen von Menschen „die es wissen“ und welche sie führen, billige und wirkungslose Rezepte gegen die größte Krise vorgehalten. Glaubt man daran noch? Nach meinem Eindruck scheinen es immer weniger zu werden.

Und ich? Ich hoffe, glaube und liebe. Und sonst noch etwas? Doch: Ich habe mich umgedreht, ich mache nicht mehr mit. Das fällt mir um so leichter, je älter ich werde. Was las ich in Jesaja, Kapitel 26, Vers 20?
„Geh hin mein Volk, tritt in deine inneren Gemächer und schließe die Tür hinter dir zu verbirg dich für einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorübergehe.“

Selbstfindung

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“Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, in seinem Gleichnis.”

Er schuf sich ein Gegenüber, mit dem er sprechen konnte, ein Gegenüber, das lächelt und über dessen Antlitz Tränen fließen können. Er gab ihm eine schöne Gestalt, wunderbare Ausdrucksfähigkeiten, die Sprache und ein Bewusstsein, das reicher nicht sein kann. Er bekam die Freiheit in der Verantwortung, ein Gewissen und einen inneren Maßstab für Gut und Böse. Aber vor allem bekam er die Fähigkeit zur uneigennützigen Liebe! Und Gott legte die “ewige Zeit in sein Herz” und damit die Sehnsucht nach göttlicher Nähe, nach Sinn und Inhalt des Lebens. So hätte es ein schönes Leben für jeden Menschen geben können, aber homo sapiens geriet mit der Zeit zum Spezialisten für Weltuntergänge!

Und dieses edle Geschöpf wird in unserer Welt des 21. Jahrhunderts so behandelt, als gäbe es keine anderen Bedürfnisse als sinnlosen Konsum, öde Unterhaltung und biologische Triebbefriedigung, also nichts als “Spaß”. Alle seine hervorragenden Qualitäten werden für Sinnloses verbraucht, für den Untergang aktiviert und dienen selten dem wahren Glück. Anstelle seiner Liebe ist vielfach die Habgier getreten. Haben-wollen ist alles geworden, geben spielt eine Nebenrolle. Es ist eine Welt der reinen Zwecke entstanden, die unser Herz gefrieren lässt.

Das Ganze läuft darauf hinaus, dass der Mensch sich nicht selbst lebt, sondern gelebt wird. Er wird von allen Seiten vereinnahmt. Und langsam kommt das große Vergessen: Man vergisst sich selbst, seine ureigenen wahren Bedürfnisse, seinen inneren Menschen. Man vergisst, wie man sich selbst im Sein anfühlt und was unsere wahre Heimat einst war.

Es gibt viele Zeitgenossen, die eines der zahlreichen Seminare zur Selbstfindung besuchen. Aber was suchen diese Menschen wirklich? “Sich selbst!” werden sie sagen. Sie haben also den Eindruck, sich selbst irgendwo auf tausend Wegen verloren zu haben! Manchmal scheinen sie es aber selbst nicht genau zu wissen, sondern nur zu ahnen. Und nun hoffen sie auf ein spirituelles Erlebnis, das sie zu einer geistig-seelischen Erneuerung führen kann.

Und was findet man oft in den Seminaren? Man findet den Rat der Psychologen: “Du bist wichtig! Du hast Rechte! Liebe dich selbst! Tue dir etwas Gutes! Setze dich durch!”

Schön und gut. Der moderne Mensch wird vereinnahmt; er wird ausgenützt, benutzt – und wenn nötig auch weggeworfen. Er muss funktionieren und Nutzen bringen. Er ist zur ökonomischen Rechengröße verkommen. Und da können Psychologen schon ein wenig helfen, die Balance zwischen Gesellschaft und Individuum zu finden.

Aber auf die eigentlichen Fragen, die der Suchende haben mag, gib es da keine Antwort. Er mag sich fragen, wer er eigentlich ist und was er wirklich braucht. Aber die Selbstfindungsseminare und Meditationswochenenden geben keine brauchbare Antwort darauf. Man richtet seinen Blick vielleicht nur nach innen, und wenn innen Leere herrscht, wird die Ausbeute entsprechend sein. Wie soll man meditieren, wenn man nicht weiß, wohin die Reise gehen soll? Es bringt wenig, sich irgendeinem “Meister” anzuvertrauen und zu hoffen, dass durch ihn die ersehnte Erleuchtung kommt. Und vielleicht keimt der Gedanke auf, dass man seine Reise in sich selbst nicht delegieren kann, man muss sie selbst antreten und machen.

Es muss jetzt bemerkt werden, das unsere Gesellschaft an der Beantwortung solcher Fragen gar nicht wirklich interessiert ist. Es ist leider so, dass die Gesellschaft die Menschen an ihren dummen Konventionen misst, sie durch sinnlose Forderungen durch das Leben hetzt und sie dadurch versklavt. So rennen und jagen die Menschen durch die Zeit und verlieren sich selbst und werden mit seltsamen Wertvorstellungen gefüttert: Oben steht, wer jung, erfolgreich, schön, reich, prominent, sexy, promiskuitiv, ehrgeizig und skrupellos ist. Und so entsteht der Eindruck, dass der Mensch nur dazu da ist, so zu sein, wie es ihm vorgegaukelt wird. Und natürlich erwecken jene, die so leben (und leben können) den Eindruck, “ganz toll glücklich” zu sein. Aber wehe, wenn die Katastrophe kommt! Dann wird ganz schnell die Dummheit und Hohlheit eines solchen Lebens sichtbar.

Das mag für manchen die Gelegenheit sein, inne zu halten und sich zu fragen: “Was mache ich eigentlich?” Und was macht man, wenn die Psychoseminare zur Selbstfindung keine verbindliche Antwort geben können? Was tut man, wenn sich eine hässliche Ratlosigkeit einstellt und man merkt, dass man sich nicht weiter wie bisher selbst belügen kann? Denn wovon lebt der Mensch tatsächlich?

Es ist leider eine Tatsache, dass die Moderne Gott abgeschafft hat. Aber hat sie dadurch den Menschen glücklicher und die Welt besser gemacht? Lässt sich Gott so einfach abschaffen? Bestimmt nicht, aber man kann ihn in sich sterben lassen. Und das ist der eigentliche Verlust, der so schwer wiegen kann, wenn man vor dem Nichts steht und nicht mehr weiter weiß.

Von F. Nietzsche ist eine Parabel bekannt: Ein Mensch streift durch eine Stadt und sucht etwas. Auf die Frage, was er suche, antwortet er: ‘Gott!’ Und er fügt hinzu: ‘Ich sage euch: Wir haben ihn ermordet, ihr und ich!’

Es ist also der Verlust Gottes, der unsere moderne Zeit auszeichnet. Und mit dem Verlust Gottes kommt es auch zum Verlust der Verantwortung, denn Verantwortung kann nur unter den prüfenden Augen Gottes greifen: Sie kann nur greifen, wenn man weiß, dass man Rechenschaft geben muss. Unsere Verantwortung braucht die höchste Instanz! Schon deshalb brauchen wir Gott. Und wir brauchen ihn auch, weil er uns die Kraft und den Mut zum Tun des Guten gibt.

“Verantwortlich ist jeder vor sich selbst!” sagt der Zeitgeist. Aber wie gut trägt diese Verantwortung? Sie funktioniert nur so lange, wie der betreffende Mensch es will. Passt sie ihm nicht mehr in seinen Kram, dann kann er sie aufkündigen. Beispiele dafür gibt es in Fülle. Im Zweifelsfall entscheidet das Geld. Und so haben wir eine Zeit der Verantwortungslosigkeit, in der viele korrupt, durch Habgier erpressbar und gewissenlos sind. Jedenfalls ist das mein Eindruck, und ich lebe schon lange genug, um das sagen zu dürfen.

Aber alles das kommt in den Selbstfindungsseminaren nicht zum Ausdruck! Im Mittelpunkt steht immer der einzelne Mensch. Und das ist viel zu wenig! Man kann sich nur finden, wenn man Gott als seinen persönlichen Gott und Vater im Himmel findet. Dann erst wird man erfahren, welche Bedürfnisse man wirklich hat, wer uns tatsächlich helfen kann, das Leben sinnvoll und mit einem liebenden Herzen zu leben. Die verantwortungsbewusste Liebe zu Gott und den Menschen führt uns zu uns selbst.

Über den Glauben

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Ein oft gehörter Satz ist dieser: „Glauben heißt nichts wissen.“ Und man gibt sich mit diesem Satz in den meisten Fällen zufrieden, ohne darüber nachzudenken. Hat dieser Satz denn eine uneingeschränkte Berechtigung?

Wenn ich an das große Gebiet des Aberglaubens und der Esoterik denke, dann kann ich zustimmen, wenn man sagt, dass glauben nichts zu wissen bedeutet. Denn was glaubt man nicht alles in unserer aufgeklärten Zeit! Jede Dummheit kann man glauben!

Wie sieht es auf dem Gebiet der exakten Wissenschaften aus? Um es kurz zu machen: Auch hier muss man glauben! Das ist kein Paradox, es ist einfach so. Ich nenne ein Beispiel:
Das ganze stolze Gebäude der Mathematik und der Naturwissenschaften ruht auf dem Erfahrungssatz, dass 1 + 1 = 2 ist. Aber es ist nicht möglich, diese einfache Formel mit der strengen Logik der Mathematik zu beweisen. Es bleibt ein Erfahrungssatz, sosehr man sich auch bemühen mag, es doch beweisen zu wollen. Und das ist nicht das einzige Problem! So manches, was wir für wahr halten, ist nicht zu beweisen.

Und nun komme ich auf den christlichen Glauben (nur um ihn geht es hier) zu sprechen und auf die einfache Frage, ob es einen Gott, einen Schöpfer, also die „erste Ursache“ gibt. Darüber streitet man sich schon seit Beginn der Menschheit. Inzwischen hat man wohl schon begriffen, dass man die Existenz Gottes wissenschaftlich nicht beweisen kann. Auch das Gegenteil zu beweisen, ist nicht möglich. Was manchmal als Indizienbeweis angeführt wird, muss natürlich auch geglaubt werden – oder auch nicht. Für die einen ist die ganze Schöpfung das Werk eines Schöpfers, für die anderen kam alles von allein. Ich möchte diesen unnützen Streit aber hier nicht auffrischen, ich möchte versuchen, das Phänomen des Glaubens einmal von der Seite eines Glaubenden zu beleuchten, denn eigentlich geht es nicht so sehr um verstandesmäßig zu begründende Argumente, sondern um das Gewissen, die innere Wahrhaftigkeit, Gewissheiten im Menschen und die Verantwortung des Menschen vor Gott. Es geht also um Dinge, die wenig mit der Alltagslogik und viel mit Moral zu tun haben. Und gerade hier scheiden sich die Geister! An anderer Stelle habe ich schon ausgeführt, dass es im Christentum zuerst um Moral und Moralität geht, und zwar um jene Moral, die in der göttlichen Verbundenheit wurzelt und die viel mit der Verantwortung vor Gott zu tun hat. Da es aber damit in der gegenwärtigen Zeit schlecht bestellt ist, kann man nicht erwarten, dass dieser Glaube populär ist.

Man kann es in der Bibel finden: Gott offenbart sich nur jenen Menschen, denen er sich offenbaren will! Und nur diese Menschen haben eine Erfahrung mit Gott, die für sie zur Gewissheit wird, die nicht mehr bewiesen werden muss. Ich führe zwei Beispiele an: Es sind Gestalten aus der Bibel. Es ist Hiob, der sagen konnte: „Ich weiß, dass mein großer Schöpfer lebt!“ Er sagte ausdrücklich nicht, dass er an Gott glaube; nein, für ihn war Gott eine Realität, die er nicht leugnen konnte. Wie mag er dazu gekommen sein? Die Bibel war noch nicht geschrieben. Vielleicht gab es in seinem Umfeld Menschen, die etwas über Gott zu sagen wussten. Aber das allein wird nicht ausgereicht haben, dass sich Gott dem Hiob so deutlich zu erkennen gab, dass er von einer Gewissheit sprechen konnte. Um dieses Problem zu lösen, möchte ich einen Satz aus dem Psalm 64 zitieren: „Glücklich ist der Mensch, den du erwählst und herzunahen lässt, damit er in deinen Vorhöfen weilt.“ Also: Glücklich ist derjenige, den Gott erwählt und einlädt, in seiner Nähe zu sein. Aber wer wird denn überhaupt eingeladen? Weil diese Frage am Anfang des 15. Psalms steht, möchte ich auch gleich auf die Antwort hinweisen, die im selben Psalm gegeben wird: „Wer untadelig wandelt und Gerechtigkeit übt und die Wahrheit redet in seinem Herzen.“ Nun war Hiob so ein Mensch und deshalb hat sich Gott ihm zu erkennen gegeben. Ein anderes Beispiel wäre der Patriarch Abraham, der ebenfalls mit seinem Schöpfer vertraut war. An diesem Menschen rühmt die Bibel den unerschütterlichen Glauben. Dieser Glaube war einfach. Abraham wusste auch noch nichts von der Bibel, aber seine Erfahrungen mit Gott brachten es mit sich, dass er eine hohe Meinung vom Schöpfer hatte und ihm nicht Ungereimtes, Falsches oder Böses zuschreiben konnte. Für Abraham sowie für Hiob war der Höchste DIE MORALISCHE INSTANZ. Darüber hinaus beinhaltete Abrahams und Hiobs Glaube die Gewissheit, dass Gott sein Wort hält! Beide Männer hatten ihren Glauben mit Leben erfüllt, indem sie auch danach zu leben suchten, indem sie Gott, ihrem Vater im Himmel, unbeirrbar vertrauten.

Hat sich Gott inzwischen geändert, dass er jetzt auf Glaubensbekenntnisse, Zeremonien und Religionen Wert legen sollte? Er hat sich nicht geändert! Es ist im Prinzip immer noch so, dass die Religion des Menschen darin besteht, sich an Gott zu binden, indem er „Recht übt, Güte liebt und bescheiden mit seinem Gott wandelt“ (Micha 6:8). Jeder Mensch steht in seiner Verantwortung vor ihm, ist ihm Rechenschaft schuldig. Und nur wer das anerkennen will, wird den Weg zu Gott suchen. Die einzige Änderung besteht darin, dass Gott seinem Sohn die Autorität übertragen hat, den Weg zu ihm zu weisen. Kann man den Weg finden? Doch, man kann ihn finden. Jesus Christus sagte von sich (Johannes 14:6): „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, außer durch mich.“ Um den „Weg“ zu Gott zu verdeutlichen, möchte ich noch ein Zitat geben: „Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und niemand erkennt den Sohn völlig, als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater völlig, als nur der Sohn und jeder, dem der Sohn ihn offenbaren will.“

So gesehen offenbart sich Gott dem Menschen durch seinen Sohn Jesus Christus. Warum das so sein muss, will ich hier nicht ausführen, denn es geht mir um den Glauben, der einem Menschen gewährt wird, und der nicht mehr Blindgläubigkeit ist, sondern erlebte Realität, die ihre Wirkungen hat.

Nun ist es so, dass diese Realität nur solchen Menschen zugänglich ist, denen Glaube im Sinne der Bibel gewährt worden ist. Es ist nicht möglich, diese Realität einem anderen Menschen zu vermitteln, der nicht glauben kann oder glauben will. Darum sind auch viele Diskussionen über den Glauben häufig Gespräche zwischen Blinden und Sehenden. Irgendwann wird der Sehende feststellen, dass er nicht von der Stelle kommt, dass er nicht in dem Sinne überzeugen kann, dass der Gesprächspartner sagt: „Ich glaube!“ Es sind immer zwei verschiedene Welten gewesen, die fast nichts gemein haben. Für den Glaubenden ist seine Realität größer, sie umfasst auch das Unsichtbare, das Geistige. Er kennt die Wirkung der Kraft zum Guten, die von seinem Gott kommt. Er fühlt sich in einen großen Gesamtzusammenhang gestellt und weiß, dass er mit allem und allen verbunden ist. Diese Verbundenheit erfüllt ihn mit dem Schönsten, was man am Menschen finden kann, mit Liebe. In der Liebe sieht er sein Ziel! Paulus hat es so formuliert: „Das Ziel dieses Auftrags ist tatsächlich Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.“ (1. Timotheus 1:5). Und das ist eine Wirkung des Glaubens, den Gott gewährt.

Aus dieser Wirkung erklärt sich auch die Haltung eines Glaubenden zur Welt. Unter Welt versteht er jene Welt, die durch das Böse beherrscht wird. Er will damit nichts zu tun haben und unternimmt alles, um nicht doch vereinnahmt zu werden. Deshalb geht er einfach nicht hin, wenn Krieg ist. Er hat keine Feindbilder mehr, alle Menschen sind seine Nächsten! Er hebt sich durch seinen Lebenswandel deutlich von jenen ab, die Gott nicht kennen. Das bedeutet nicht, dass er fehlerlos ist und nicht sündigt. Nein, er kennt seine Sündhaftigkeit genau. Was ihn aber unterscheidet, ist der Wille zur Gerechtigkeit, der Wille zum anerkannt Guten. Er besiegt die Welt durch seinen Glauben (1. Johannes 5:4). Seine Wünsche und Hoffnungen wurzeln in der Zukunft, von der er weiß, dass sie Gott gestalten wird; er wartet auf das Friedensreich Jesu und hat den Mut, dazu zu stehen. Er erwartet unter der Herrschaft Jesu Christi ein „neues Herz“ (Hesekiel 36:25-27) und einen „neuen Geist“ zu bekommen, er erwartet also, von seiner eigenen Sündhaftigkeit befreit zu werden. Das tut nur jemand, der den „Unsichtbaren gesehen“ hat.

Man kann natürlich diese Menschen mit abschätzigem Blick betrachten und sie für weltfremde Schwärmer halten, aber das mindert nicht ihre Stärke und macht ihren Glauben noch lange nicht unwirklich. Die Welt taumelt von einer Katastrophe in die andere. Alles lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Die Welt kennt Gott nicht! Sie kennt eine Menge Aberglauben und betreibt ihn mit aller Ernsthaftigkeit, was aber wirklich zählt, sind die „Früchte“. Sind es gute Früchte? Oder sind es Früchte, die am Ende nur eine einzige Anklage sind? Der Glaubende hat damit nichts zu tun. Es sind die Werke derer, die Gott aus ihrem Leben verdrängt haben, die nun ziellos umherirren und das ernten müssen, was sie gesät haben.

Das liest sich jetzt wie eine Schwarz-Weiß-Malerei. Natürlich ist Gott barmherzig und vergibt Sünden. Aber dazu muss ein Mensch erst kommen! Er muss einsehen, dass er schuldig ist, er muss sich seiner schlechten Taten schämen. Der Glaubende kann es – aus Überzeugung – der Ungläubige lehnt es ab (auch aus Überzeugung). Für jeden Menschen gibt es einen Gerichtshof, und das ist sein Gewissen. Hier begegnet er Gott, hier steht er nackt und bloß vor Gott, auch wenn er ihn nicht kennen will. Und gerade die Funktion des Gewissens zeichnet einen Glaubenden aus. Gewissen, das ist für ihn die Grundlage eines Glaubens an Gott. Er weiß, dass es ohne Gewissen keinen Glauben geben kann, denn Gott offenbart sich nur solchen Menschen, die sich vor ihrem Gewissen verantwortlich fühlen.

Der Glaube, der von Gottes Kraft gespeist wird, macht Unsichtbares sichtbar. Diese Menschen werden immer so handeln, als sähen sie den Unsichtbaren. Sie werden den Mut haben, den eigenen Tod nicht zu fürchten. Sie sind nicht mehr durch Todesfurcht erpressbar. Und dafür gibt es viele Beweise.

Ist glauben nichts zu wissen? Ich habe versucht, etwas anderes zu zeigen. Was ich bisher geschrieben habe, ist noch nicht alles. Aber auch dies würde nur immer wieder bestätigen, dass der Glaube, von dem die Bibel spricht, keine Einbildung ist, sondern ein Geschenk Gottes an den Menschen. Der Glaube lebt und wirkt.

„Glauben kann man nur allein!“

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Das war die knappe Einsicht von Leo Tolstoi, nachdem er mit fünfzig Jahren begonnen hatte, Gott zu suchen. Bis zu seinem fünfzigsten Jahr war er Atheist, danach kam ihm der Verdacht, dass es damit nicht getan sein konnte. Gewohnt, als Graf zu befehlen, sagte er im Gebet zu Gott: “Gib mir Glauben!” Aber danach geschah nichts. Er fing an, Gott zu suchen, und Gott ließ sich Zeit! Wo er Gott suchte, fand er ihn nicht. Weder in der Kirche, noch in der Politik oder anderswo: Er fand ihn überall dort nicht, wo andere behaupteten, dass er dort sei. Als er fast achtzig Jahre alt wurde, fand er Gott: Er fand ihn in sich selbst, weil Gott sich erst nach einer langen Lehrzeit des Lebens von Tolstoi finden ließ.

“Glauben kann man nur allein!” Damit wollte der Dichter sagen, dass der Glaube eine Angelegenheit des inneren Menschen ist, die sich nur im Menschen selbst abspielt. Es ist bemerkenswert, dass er diese Erfahrung machen durfte, nachdem er die Bibel aufmerksam gelesen hatte und begonnen hatte, die Ideale des Christentums in der Praxis umzusetzen. Seine Versuche einer christlichen Gesellschaftsreform waren naiv und mussten scheitern. Aber sie lehrten ihn, dass Glauben eine reine Privatsache ist. Er musste einsehen, dass Glaube sich zwischen dem Menschen und seinem Gott entfaltet, dass Glaube die eigene Wahrnehmung Gottes ist. Erst diese persönliche Wahrnehmung macht einen gläubigen Menschen aus, der danach ein tiefes Vertrauen zu seinem Vater im Himmel entwickeln kann. Diese Wahrnehmung lässt sich nicht vermitteln; jeder Mensch aber kann diese Erfahrung machen. Und nur wenn Gott will, dann kann ein Mensch glauben!

Es ist in der Bibel enthalten: Der 64. Psalm lautet im Vers 5:
“Glücklich ist der Mensch, den DU erwählst und zu dir kommen lässt, damit er bei dir wohne.” Oder nehmen wir Jesus Christus, der mehrmals darauf aufmerksam machte, dass Gott Menschen zu sich zieht: “Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, Gott ziehe ihn.” Und so hat Gott immer Menschen zu sich gezogen, er hat den Finger auf sie gerichtet und erlaubt, ihm nahe zu sein. Darin manifestiert sich der Glaube an Gott. Glaube an Gott ist keine Zeremonie, keine Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft, sondern die Gewissheit, dass Gott IST. Diese Menschen wissen, dass ER lebt. Sie sagen nicht mehr: “Ich glaube an Gott!”. Was man sehen kann, muss nicht mehr geglaubt werden.

Für sie ist Gott eine Person und nicht etwas Ungewisses, an das man glauben kann oder auch nicht. Für sie ist Gott die Autorität, der sie sich gern unterwerfen und vor der sie sich verantwortlich fühlen. Und was fordert Gott von Menschen, die ihn kennen?

“Er hat dir mitgeteilt, Erdenmensch, was gut ist. Und was fordert dein Gott von dir zurück, als Güte zu lieben, Recht zu üben und bescheiden mit IHM zu leben?” (Micha 6:8)

Mit diesem Satz lässt sich Glaube und damit alle Religiosität zusammenfassen! Der christliche Glaube hat dazu noch das Bekenntnis zum Sohn Gottes, zu Jesus Christus. Dieses Bekenntnis zu Jesus erschöpft sich niemals darin, eine Kirche zu besuchen, Gebete nachzusagen, bestimmte Zeremonien mitzumachen und sich einzubilden, dass damit alles getan sei. Ein Christ ist man zuerst durch die Liebe zu Gott und seinen Mitmenschen, man ist es durch die tätige gelebte Liebe! Diese Liebe übt man nicht aus Pflichtgefühl, weil man muss, sondern weil man es so will, weil man in der tätigen Liebe seine ureigene Verantwortung vor Gott sieht. Es ist eine Herzenssache, die das ganze Leben durchzieht. Und auch hier ist man in gewissem Sinne allein, denn die Liebe braucht keine Aufpasser und Antreiber. Die Liebe ist das göttliche Licht in einer sonst finsteren Welt.

Kindersoldaten

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Wir erfahren aus den Zeitungen, wie der IS Kindersoldaten macht. Die Methode ist simpel und erfolgreich. Die Kinder werden von ihrer Familie isoliert und man hämmert ihnen ein, dass der Islam ihr wirkliches Zuhause sei. Fast spielerisch bringt man ihnen das Kriegsspiel bei. Sie lernen Waffen handhaben, auf Menschen zu schießen und sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen. Die Schulung wird ständig mit Koranversen begleitet. Alles wird so hingestellt, als sei es ein großes Abenteuerspiel. Das mögen die Kinder.

Um das Mitgefühl für andere Menschen völlig wegzuwischen, werden die Kinder gezwungen, sich öffentliche Hinrichtungen anzusehen. Sie “üben” die Hinrichtungen dann beim Spiel miteinander. Um Schuldgefühle zu verhindern, werden sie nach einer Hinrichtung am Schlafen gehindert, damit Albträume das Gesehene nicht mit negativen Gefühlen verbinden. Zusätzlich werden ihnen Vergnügungen erlaubt, die in ihrem normalen Alltag verboten sind. Das ist dann als Belohnung für das tapfere Hinsehen gedacht. Es ist also eine ganze Palette von Maßnahmen, die alle dazu führen, das Mitgefühl aus dem Herzen “herauszuspielen”. Die Folge ist, dass jedes Mitgefühl für ihre späteren Opfer erlischt. Alles geschieht angeblich zur Ehre und nach dem Willen Allahs!

Nun ist so eine Indoktrination im Kindesalter durchaus prägend. Ob diese Menschen sich je wieder als Mitmenschen fühlen können, ist sehr fraglich. Aber sie sind ja nicht die Einzigen, die der Eradikation des Mitgefühls zum Opfer fallen.

Was spielen viele unserer Kinder und Jugendlichen in Deutschland, in der westlichen Welt? Sie spielen das Töten von Menschen im Kinderzimmer, später in Computerspielen! Und was sehen sie im Fernsehen und im Internet? Mord, Totschlag und Krieg. Und alles geschieht auch hier spielerisch. (“Führen Sie den Krieg auf der ganzen Welt. World of Arms.“ So wirbt der Windows Store für ein Spiel.) Sie machen eigentlich nichts anderes, als die Kinder des IS. Man spielt sich das Mitgefühl aus dem Herzen, man macht das Gewissen unempfindlich. Dabei verliert man, wie Beispiele von Amok laufenden Jugendliche zeigen, die Hemmung, Menschen zu töten. Und sitzen dann diese Kinder als junge Männer in einem Panzer oder im Flugzeug, dann haben sie vor sich einen Bildschirm mit Zieleinrichtung und einen Joystick. Ein Druck auf den “Joystick” und ein Mensch oder ein Gebäude sind nicht mehr. Die Schreie der Opfer werden nicht gehört, und Gedanken um sie braucht man sich nicht zu machen, weil das Gewissen schweigt und das Mitgefühl nicht mehr vorhanden ist. Man tut seinen Job. Danach mag man zu seiner Familie zurückkehren, sein Bier trinken und den Rasen schneiden.

Und wir sehen in der ganzen Welt die “Erziehung zum Töten“. Es gibt ca. eine halbe Million Kindersoldaten in über 140 Ländern! Besonders totalitäre Staaten greifen sich die Kinder, weil sie leicht formbar und leicht zu verführen sind. In den Händen der Verantwortlichen sind sie der Ton, aus dem die jetzigen und künftigen Mörder geformt werden.

Was dann noch kommen kann, ist wirklich apokalyptisch! Die düsteren Bilder des letzten Bibelbuches werden sich erfüllen. Die Voraussetzungen dafür sind weltweit vorhanden. Unsere Geschichte hat ein Ende! Sie hat ein Ende, um einer besseren Welt Platz zu machen. Das ist meine Hoffnung und mein ganz persönlicher Glaube. Diese bessere Welt aber wird nicht durch den Menschen verwirklicht werden, sie ist die Erfüllung der uralten Bitte an Gott: “Dein Königreich komme!” Und dann wird sich eine Prophezeiung aus dem Buch Jesaja erfüllen:

„Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Speere zu Winzermessern schmieden. Keine Nation wird gegen eine andere das Schwert erheben. Sie werden den Krieg nicht mehr lernen.“ (Jesaja 2:4)

Ratlosigkeit

 

“Und an den Küsten steigt die Flut”. So könnte man die gegenwärtige Situation in der Welt beschreiben. Wir sehen eine rasche Zunahme der Probleme, die den Fortbestand der Menschheit bedrohen. Wohin man auch blickt, überall wachsen die wirklichen und lebensbedrohenden Probleme wie Pilze aus dem Boden. Sei es der wachsende Hunger nach dem täglichen Brot, die Zerstörung der Umwelt durch Habgier und Unverstand, das weltweite Wettrüsten, die zunehmende Anarchie, der weltumfassende Krieg, der islamistische Terror oder die steigende Flut der Flüchtlinge – alles strebt scheinbar zu einem Höhepunkt und das alles ist nicht mehr zu beherrschen. Den Politikern ist das Heft der Handlungsfähigkeit aus der Hand geglitten; der Rat, der zum Ausweg führen könnte, ist verschwunden.

In den vielen Talkshows versammeln sich Politiker aus allen Parteien und streiten über den Ausweg und über die Bewältigung der Flüchtlingskatastrophe. Man muss es schon Katastrophe nennen, denn was auf Europa zurollt, kann man nicht anders bezeichnen. Und in diesem Kontext hat jeder eine Meinung, aber keinen guten Rat. Jeder widerspricht jedem, und doch ist keine Lösung in Sicht, die unser Gewissen zufrieden stellen könnte.

Die Schließung der Grenzen ist eine mögliche Lösung, aber man weiß schon vorher, dass sie keine dauerhafte sein kann. Man kann niemals zusehen, wie vor den Grenzen Menschen umkommen. Sollte man aber eines Tages doch zusehen können, dann ist es vorbei mit unserer Menschlichkeit und dem ganzen Gerede darüber. Dann geht es nur noch um uns als Einzelne, dann haben wir uns aus dem kollektiven Verbund der Menschheit herausgelöst, dann geht uns der Rest der Welt ja gar nichts mehr an.

Sollte es dazu kommen, dann verlieren wir auch noch des Rest von Anstand, ohne es eigentlich zu wollen, dann herrscht der Zustand der Notwehr, der das Ende einleitet. Die Folge wird sein, dass schließlich jeder gegen jeden kämpft.

Es lässt sich nicht leugnen, dass wir alle eine gewisse Mitschuld an den herrschenden Verhältnissen haben. Und unser Gewissen wird uns eines Tages genau dies vorhalten, weil wir tatsächlich den Mitbruder in der Welt eher als Mittel zum Zweck, denn als Mitmenschen gesehen haben, für den auch wir verantwortlich sind. Das ist jedenfalls in meinem christlichen Weltbild enthalten. Die Welt wurde ausgebeutet, sie wurde als Warenlager und billige Arbeitskraftressource gesehen. Das begann schon vor Jahrhunderten und heute ernten wir die Früchte einer Politik, die immer nur auf Gier zurückzuführen war.

Was macht es denn fast unmöglich, ein bedrohliches Problem zu lösen? Es sind nicht so sehr die nackten Umstände, sondern der Mensch selbst. Wie schrieb F. Nietzsche? “O Mensch! Von Wollust ausgeloht, du bist die Wüste, bist der Sein, der Tod!” Ja, wir sind Wüste, Stein und Tod, weil wir unsere Verantwortung für den Menschenbruder beiseite geschoben haben. Die Welt wurde von habgierigen Krämerseelen gestaltet und ausgebeutet. Jetzt besteht die Gefahr, dass die ganze Firma in die Luft fliegt. Jetzt versagt der Verstand, der früher noch Problemchen lösen konnte, und sei es durch Kriege. Aber das scheint vorbei zu sein! Ratlosigkeit beherrscht das Feld.
Wie soll man auch Lösungen finden, wenn es nicht mehr möglich scheint, zu einer Übereinkunft zu kommen? Wie soll man Übereinkünfte erzielen, wenn jeder seinen eigenen Vorteil sucht? Wie soll man zum Teilen und zum Einlenken bereit sein, wenn man sich vor Gott nicht verantwortlich fühlt? Wie soll man sich verantwortlich fühlen, wenn man von Gott verlassen ist oder ihn einfach nicht kennt?

So bleibt dann nur die Ratlosigkeit, die wie ein böses Geschwür wächst. Genau diese Ratlosigkeit, die auch eine Ausweglosigkeit ist, beschreibt die Bibel für die letzten Tage der Menschheit. So lasse ich Friedrich Sieburg sagen: “Wir sind am Ziel, wir sind am Ende”.

„Alles wird gut!“

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„Seien Sie nicht zu pessimistisch. Es wird alles gut!“ Mit diesen Worten verabschiedete sich auf dem Flughafen ein junger Mann von mir, mit dem ich während des Fluges angeregt gesprochen habe. Vom Typ her ein junger Mann, der viele Sportarten betrieb, ebenso viele Freundinnen hatte und gerade mit seinem Informatikstudium fertig geworden war.

Jetzt stand er vor der Aufgabe, die Welt mit seinem Können zu bereichern – voller Tatendrang und Optimismus. Als er mich nach meinem Beruf fragte und erfuhr, dass ich Naturwissenschaftler bin, meinte er, eine seiner Freundinnen sei es auch. Es ergab sich während des Gesprächs, dass er von meinem Kulturpessimismus erfuhr. Ich versuchte ihn zu begründen. Teilweise gab er mir Recht, teilweise widersprach er. In der Summe merkte ich bald, dass er ein Positivist war und alle Probleme für lösbar hielt, einschließlich Klimakatastrophe, weltweite Hungersnot und Terrorismus. Er konnte kaum verstehen, dass es Menschen gibt, die so pessimistisch sein können wie ich. Auf meinen Einwand, dass dieser Pessimismus seine Gründe habe, antwortete er, dass sich jeder Mensch seine eigene Weltsicht konstruiere. Damit wollte er mir zu verstehen geben, dass man sich auch Vieles nur einbilden könne und dass die realen Verhältnisse so schlimm gar nicht sein können. „Und woher nehmen Sie ihren Optimismus?“ Seine Antwort: „Der Mensch hat es in der Hand seine Zukunft zu gestalten und er wird sich nicht leichtsinnig umbringen, weil er einsichtig ist und diese Welt retten kann.“

Ich habe noch lange an dieses Gespräch gedacht. Und bis heute kann ich ihn nicht richtig verstehen. Wir haben doch die Erfahrung der Geschichte! Warum ist die Geschichte des Menschen so verlaufen, dass andere Männer behaupten, die Geschichte sei eine Krankengeschichte von Irren? Und was ist vom Konstruktivismus zu halten, nach dem sich jeder seine eigene, subjektive Sicht der Dinge konstruiert? Gibt es denn keine vom Menschen unabhängige Wirklichkeit? Das kann es ja wohl nicht geben, denn allein schon die Tatsache, dass 1 und 1 gleich zwei ist, beweist zumindest dass diese Formel unabhängig vom Menschen existiert. Nein, wir haben ja in der Naturwissenschaft die Möglichkeit, uns ein Bild dieser Wirklichkeit zu machen, das von allen Menschen akzeptiert wird. „Da draußen“ gibt es viele Tatsachen, die wir begreifen und erkennen können, und zwar alle Menschen. Aber ich denke an dieser Stelle, dass der junge Mann mit seinem Konstruktivismus übertrieben hat und die ganze Idee für gut und nützlich hielt.

Da kommt der Verdacht auf, dass bei radikaler Anwendung des Konstruktivismus die falsche Einsicht entsteht, dass sich jeder seine Anschauung der Welt zusammen bastelt und sie als gleichwertig neben alle anderen stellt. Und am Ende wird es darauf hinauslaufen, dass jeder Mensch auf seine Weise Recht hat. Damit, so meine ich, liegt der junge Mann voll im Trend des Zeitgeistes, der sogar alle moralischen Werte relativiert und meint, alles sei Ansichtssache.

Und die Relativierung der Werte führt dann zum Verlust derselben. Dieser Verlust wird übrigens von vielen Menschen wahrgenommen und bedauert. Und man sieht in diesem Verlust die eigentliche Ursache so manchen Problems. Zum Beispiel die Banken- und Wirtschaftskrise: Hier bedauert man öffentlich eher den Verlust des Geldes, als den Verlust der Moral. Welches der weltweiten Probleme lässt sich eigentlich nicht auf einen Verlust der Moral zurückführen? Darüber muss man nachdenken.

Hat man schon einmal daran gedacht, dass wir als Menschen genau immer das ernten, was wir gesät haben?

Der Weg zu mir selbst

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(Gedanken eines Zeugen Jehovas über das Unbehagen an einer Religionsgemeinschaft)

Der Zug fährt langsamer. Ich schaue aus dem Abteilfenster auf die vorbeiziehende Vorstadt. Bald werde ich angekommen sein. Ich betrachte die Gebäude, an denen ich schon unzählige Male vorbeigefahren bin. Warum ist mir diese Armseligkeit, dieser marode Zustand der Häuser und die Tristesse der Vorstadtstraßen nicht schon früher aufgefallen? Ich vergesse, dass inzwischen viel Zeit vergangen ist. Früher war vieles neu, heute ist es gealtert, wurde “verschlimmbessert”, wurde verändert und der Gegenwart angepasst. Die Zeiten haben sich geändert!

Das muss ich einfach in Rechnung stellen. Ich muss einsehen, dass nichts so bleibt, wie es einmal war. Ich muss einsehen, dass diese Welt vom Bösen beherrscht wird. Was einmal gut und liebenswert war, wird mit der Zeit hässlich und böse. Das ist ein allgemeiner Prozess, der sich auf alles erstreckt. Er macht auch vor Religionsgemeinschaften nicht Halt. Wie viele Gemeinschaften kenne ich aus der Geschichte, die einen guten Start hatten, weil man mit ehrlichem Herzen nach den Vorgaben der Bibel leben wollte? Und was wurde daraus? Immer wieder war es die Korruption des Glaubens, welche die edlen Ziele und Absichten umbog und zur Lüge verfälschte. Und immer wollte man über Menschen herrschen.

In der Jugend war ich arglos und glaubte noch an die Ehrlichkeit der Menschen. Ich hatte Vorbilder, die ich mir selbst geschaffen hatte. Ja, ich habe mich in der Jugend selbst getäuscht, weil ich anderen Menschen zu sehr vertraute, ohne Näheres über sie zu wissen. Das Wissen ersetzte ich mit Fantasie. So kam es, dass ich in mancher Hinsicht getäuscht worden bin.

Damals lernte ich die Bibel kennen; ein gleichaltriger Zeuge Jehovas sprach mit mir und führte mich in die Grundlagen der Bibel ein. Dafür bin ich ihm heute noch in gewisser Weise dankbar. Die Bibel wurde für mich tatsächlich eine Offenbarung. So kam ich meinem Gott näher. Diese Nähe wurde immer enger, worüber ich ehrlich froh bin. Die Nähe meines Vaters im Himmel gibt mir Kraft für dieses Leben, sie gibt mir Hoffnung und Zuversicht, Glauben und Liebe. Was brauche ich mehr?

Irgendwelche Menschen meinten aber, dass ich mehr brauchen sollte. Bald merkte ich, dass sich zwischen mir und meinem Vater im Himmel noch andere drängen wollten. Dagegen wehrte ich mich; ich ließ nur einen Mittler zu, meinen Herrn Jesus Christus. Und so war ich auf einmal auf einem Weg, der von den offiziellen Zeugen Jehovas weg führte. Ich merkte sehr bald, dass die Wachtturm-Gesellschaft höchstens ein Hilfsmittel sein konnte, um mein christliches Leben zu führen. Unter diesem Aspekt ließ ich eine friedliche Koexistenz zu. Manche bemerkten mein Abweichen von der offiziellen Doktrin, doch ließ man mich in Ruhe, denn die Organisation war noch nicht auf die Idee gekommen, unentbehrlich zu sein.

Aber die Zeit änderte sich und sie veränderte mich. Die Veränderungen begannen vor etwa 20 Jahren und machten mich nachdenklich. Plötzlich waren feste Grundsätze Makulatur geworden: Man suchte die Nähe zum Staat und seine Anerkennung. Früher war es undenkbar, dass man “mit dem wilden Tier tanzte”. Man kritisierte jene Gemeinschaften, die das taten. Und nun machte man es auch? Ich veränderte mich also, weil ich diesen Grundsatzwechsel von der Bibel her nicht nachvollziehen konnte. Meine Veränderung musste nach außen sichtbar werden und wurde wahrgenommen. Ich konnte nicht anders, als nach meinem Gewissen und der biblischen Erkenntnis zu handeln. Plötzlich taten sich Abgründe auf und ich hatte zeitweise das Gefühl, auf schwankendem Boden zu stehen. Es kamen Selbstzweifel auf und die Fragen: Denkst und handelst du in diesem Fall richtig? Täuschst du dich nicht und hast du alles richtig durchdacht? Könnte es sein, dass die “Organisation” im Recht ist?

Diese Selbstzweifel konnte ich nur durch konsequentes Nachdenken und genaues Lesen der Bibel aus dem Weg räumen. Ich konnte sie auch aus dem Weg räumen, weil es um Moral ging. In Fragen der Moral lässt die Bibel gar keine Wahl! Ein Baum wird immer an den Früchten erkannt. Und da macht eben die “Wachtturmgesellschaft” keine Ausnahme!

Es war im wahrsten Sinn des Wortes Ent-Täuschungsarbeit. Diese Arbeit war nicht zu umgehen; sie hatte mit der Verantwortung gegenüber dem Schöpfer zu tun und mit meinem Wunsch, mit mir selbst ehrlich umzugehen.

“Die Wahrheit spricht mit leiser Stimme!” Das hatte ich irgendwo einmal gelesen. Und tatsächlich! Jehowah spricht in der Stille zum Menschen, wenn niemand dazwischen reden kann, wenn der Mensch empfänglich und offen ist für sein Wort. Für mich bekam das Wort “Einsicht” eine viel höhere Bedeutung als “Erkenntnis” und “Wissen”. Ich wollte nicht mehr nur meinen Kopf füllen, sondern mein Herz. Mir ging es so, wie dem Schreiber des 119. Psalms: Obwohl er das Gesetz gut kannte, betete er um mehr. “Den Weg deiner Befehle lass mich verstehen, …” (V. 27). Ich bin mir ganz sicher, dass er die erbetene Einsicht auch bekommen hat, denn genau das hat Gott versprochen: “Ich werde dir Einsicht verleihen und dich unterweisen in dem Weg, den du gehen solltest. Mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten.” (Ps. 32:8) In diesen einfachen Worten liegt so viel Trost, Hoffnung und Zuversicht! Hier verspricht der Schöpfer ganz deutlich, dass er einen Menschen ganz individuell zu Einsichten führen will.

Ich konnte mir unter dem Sperrfeuer der Propaganda früher nicht vorstellen, dass Gott mit einzelnen Menschen handelt. Das ist heute eine selbstverständliche Sache für mich geworden, aber früher dachte ich, dass alles nur durch die “Organisation” geschieht, durch das Kollektiv, die Versammlung. Heute weiß ich: Gott sieht auch mich und tritt für mich ein! So etwa muss es ein Abraham empfunden haben, der ja keine “Organisation” kannte, der in freier und selbst gewählter Verantwortung vor seinem Gott stand und von ihm geführt wurde. Was wusste Abraham? Die Bibel war noch nicht geschrieben. Und was dieser treue Mann “wusste“, war die Erfahrung Gottes im eigenen Leben. Diese Erfahrung war so radikal, dass er Gott sah und fühlte!

In diesem Kontext lese ich auch Johannes 14: 23: “Jesus antwortete und sprach: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.” Kann man besser Gäste im Haus haben? Kann es etwas größeres geben?

Ein weiterer Text, der mir zu denken gegeben hat: “Glücklich ist der, den DU erwählst, damit er in deinen Vorhöfen wohnt!” (Psalm 65:4) Es hängt von Gott ab, wem er gestattet, in seinen Vorhöfen zu wohnen! ER gestattet erst die Nähe, er gestattet sie, ohne eine “Organisation” dazwischen zu schalten. Gott sucht sich seinen Umgang selber aus! Nicht die Mitgliedschaft in einer “Organisation” entscheidet über die Nähe zu Gott, sondern ein ganz intimes und persönliches Verhältnis zum Schöpfer. Und welche Bedingungen muss ein Menschen erfüllen, damit Gott ihm Nähe erlaubt? Der Psalm 15 gibt eine treffende Antwort! Es kommt also auf die Rechtschaffenheit an, nicht auf eine eingebildete Rechtgläubigkeit! Und das hat auch viel mit dem Gewissen zu tun, das im Umfeld der “Organisation” vielfach ausgespart wird. Es darf aber in unserem Leben keinen gewissensfreien Raum geben. Niemand darf fordern, dass man in der “Organisation” einfach zu gehorchen hat und dass es in ihr keine Gewissensfragen gibt, weil sie angeblich vom Geist Gottes geleitet ist. Nein, wer so etwas fordert, macht sich eines Verbrechens schuldig!

Es ist ja auffällig, wie oft z. B. bei Paulus das Wort Gewissen vorkommt. Ich habe es 21 mal in seinen Briefen gefunden. Das Gewissen eines Menschen wird also im NT sehr hoch bewertet, so hoch, dass ein Mensch im Glauben scheitert, wenn er das gute Gewissen verliert! (1. Tim. 1:19) Und das muss auch so sein, denn ein gutes Gewissen ist ja die Grundlage, auf der meine Taufe steht (1. Petr. 3:21). Nach den Worten Petri ist die Taufe die an Gott gestellte Bitte um ein gutes Gewissen durch das Opfer Jesu Christi. Und wie konnte man aus dem Akt der Taufe einen Aufnahmeritus für eine “Organisation” machen? Aber gerade das lag ja gewissermaßen auf der Linie, die von herrschsüchtigen Menschen verfolgt wurde. So konnte man die “Organisation” als rettendes Schiff darstellen. Dieses falsche Bild hat sich vielen Menschen so stark eingeprägt, dass sie sich nichts anderes vorstellen können. Wenn ganz leise Zweifel bei manchen laut werden, dann sagen sie meist: “Wohin sollen wir gehen?” Damit wollen sie andeuten, dass sie nur zur “Organisation” halten können, denn in ihr werden sie ja gerettet und nur bei ihr erfahren sie die Wahrheit. Und in dieser Haltung erblickte ich den eigentlichen Skandal, die Korruption des Glaubens, denn das widerspricht der Bibel, es widerspricht Jesus Christus, der deutlich genug sagte, dass er “der Weg, die Wahrheit und das Leben” ist. Und hat er nicht alle Müden und Beladenen eingeladen, zu ihm zu kommen? (Mat. 11:28-30)

So verstehe ich heute, wo ich reifer geworden bin, vieles besser. Das hatte zur Folge, dass ich ruhiger und gelassener geworden bin. Darin sehe ich die helfende Hand Gottes! Und darin gipfelt noch eine ganz besondere Erfahrung, über die ich jetzt reden will.

Ich möchte etwas über Verantwortung sagen. Es ist ja kein Geheimnis, dass die meisten religiösen Menschen kein persönliches Verhältnis zu Gott kennen. Sie fühlen sich deshalb auch nicht vor ihm verantwortlich. Ohne diese Verantwortung vor Gott läuft der Glaube einfach ins Leere, er verkommt zu einer unverbindlichen Sache ohne Tiefe und letztlich ohne Sinn. Erst ein Mensch, der in der göttlichen Verbundenheit auch seine Verantwortung sieht, kann Gott gefallen. So ein Mensch weiß, dass er Rechenschaft schuldig ist. In diesem Moment ist er der ganzen Moral Gottes verpflichtet. Solange das aber nicht ist, kann ein Mensch seine Entscheidungen dem Zufall anpassen; er kann seine eigenen Maßstäbe nach Belieben ändern, er wird sich eher von Nützlichkeitserwägungen leiten lassen, als vom Gesetz Gottes. Ihm fehlt die Gottesfurcht und der tiefe Respekt vor Gott.

Ich kam durch die sich verändernden Verhältnisse zur Einsicht, dass es keine Religionsgemeinschaft geben kann und geben wird, die unter den Verhältnissen in dieser Welt frei von Betrügern bleibt. Es ist über 20 mal im NT enthalten, dass Betrüger in die Versammlungen der Christen eindringen! Zu jeder Zeit sind diese Leute am Werk, um “die Jünger hinter sich her wegzuziehen” (Apg. 20:30). Niemals ist ein Jünger Jesu in dieser Hinsicht in Sicherheit, immer wieder wird er von falschen Brüdern bedroht und zu jeder Zeit muss er wissen, was und an wen erglaubt. Immer wieder muss er sich seines eigenen Glaubens vergewissern. Und immer ist ihm der Kampf gegen die Verführung aufgetragen. Wenn die “Organisation” behauptet, von Betrügern frei zu sein, dann lügt sie. Ihr ganzes Machtstreben der letzten 20 Jahre beweist deutlich, was die Glocke geschlagen hat. Die “Organisation” hat das “wilde Tier” umarmt und hat sich an den Versammlungen bereichert. Sie hat durch verdrehte Lehren vom Hauptvermittler des Lebens abgelenkt, sie hat sich auf einen Thron gesetzt und will herrschen. In 2. Petr.2:1-3 steht dazu:

“Im Volk sind allerdings immer schon falsche Propheten aufgetreten.
Und ebenso werden bei euch falsche Lehrer auftreten.
Sie werden unter der Hand Lehren einführen, die den Untergang bringen.
Und sie begehen Verrat an ihrem eigentlichen Herrscher, der sie freigekauft hat. Damit bereiten sie sich sehr schnell selbst den Untergang.
Viele werden dem Beispiel ihres zügellosen Lebens folgen.
Und dadurch werden sie den Weg der Wahrheit in Verruf bringen.
Aus reiner Habgier werden sie versuchen, euch mit Lügengeschichten zu ködern.
Das Urteil über sie steht schon längst fest, und ihr Untergang schlummert nicht.”

Ich bin mir also schon vor Jahren darüber klar geworden, dass Glaube mehr ist, als nur irgendwelchen Geboten blind zu gehorchen, mehr ist als gewisse Zeremonien durchzuführen, sich bestimmte Verhaltensweisen anzutrainieren und ständig den Namen Gottes im Munde zu führen. Das alles kann reine Äußerlichkeit sein; das muss mit der inneren Wahrhaftigkeit nicht viel zu tun haben, denn das haben die Juden im Gesetzesbund mehrheitlich auch gemacht. Jeremia schrieb dazu:
“Nahe bist DU ihrem Mund, doch weit entfernt von ihren Herzen.” (Jer. 12:3) Der Betrieb im Tempel in Jerusalem lief jeden Tag ordnungsgemäß ab – zuverlässig wie ein gutes Uhrwerk. Aber wie sah dahinter die Szene aus? Schändliche Unmoral und Götzendienst beherrschten die Wirklichkeit. Und doch redete man sich ein, auf der sicheren Seite zu stehen: “Setzt euer Vertrauen nicht in täuschende Worte indem ihr sprecht: ‘Der Tempel Jehovas, der Tempel Jehovas sind sie!’” (Jer. 7:4)

Warum erwähne ich das? Ich erwähne es, weil man uns über die Jahre beibringen wollte, dass es ausreicht, den Vorgaben der “Organisation” zu entsprechen. Man ist immer dann ein “guter” oder “vorbildlicher” Zeuge Jehovas, wenn man predigt, studiert, betet und die Zusammenkünfte besucht. Das mag ja alles gut und schön sein, aber der einzelne Mensch muss doch diese Forderungen mit wirklichen Inhalten füllen! Wer spricht von innerer Wahrhaftigkeit, von Verantwortung vor dem Schöpfer? Davon hört und liest man viel zu wenig. Und doch muss ich davon überzeugt sein, dass es unter uns auch solche Menschen gibt, die genug innere Wahrhaftigkeit aufbringen und wesentlich leben. Wie sie das geschafft haben, wissen nur Gott und Jesus Christus. Auch dies ist die Wahrheit:

“Die feste Grundlage Gottes bleibt bestehen und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die, die ihm gehören. Und: Wer den Namen des Herrn nennt, lasse ab von Ungerechtigkeit!” (2. Tim. 2:19)

Wir haben uns in der “Organisation” an eine puritanische Pflichtmoral gewöhnt. Diese Pflichtmoral lebt nur von Ermahnungen, Forderungen, Befehlen, Vorschriften, Anweisungen, Verboten, Verdächtigungen, Unzufriedenheit, Drohungen, Misstrauen und Wetteifern. Diese Pflichtmoral erzeugt ständig Angst. Sie fordert immer mehr und ist nie zufrieden. Sie erzeugt ein permanentes schlechtes Gewissen. Ihre Apostel schauen auf Zahlen und beten sie an. Sie sind kleinlich und genau. Sie lieben den schönen Schein und hassen die Wahrheit. Sie sind die Aufpasser und reglementieren das Gewissen durch versteckte Drohungen. (Das mag sich überspitzt anhören, aber so habe ich es oft beobachtet. Natürlich sind nicht alle Ältesten so, aber die Wirklichkeit wird von sehr vielen so empfunden.) Diese Pflichtmoral hat viel mit dem Abarbeiten von Listen zu tun. Sie ist in erster Linie nicht auf den Mitmenschen gerichtet, um ihm etwas Gutes zu tun, weil man ihn liebt und schätz. Nein, sie dient viel zu häufig der eigenen Person, die sich bei Gott ein paar “Pluspunkte” verdienen will und die Anerkennung von Menschen sucht. Nicht der Mitmensch steht im Mittelpunkt der vielen Aktivitäten, sondern die Vorschrift, die Aktion und die eigene Person. Und wenn sie auf den Mitmenschen gerichtet scheint, dann will sie gewöhnlich einen Zweck erreichen, der Betreffende soll zu einer bestimmten Handlungsweise genötigt werden oder so beeinflusst werden, dass er “funktioniert”. Kennt aber die Liebe einen Zweck? Die Liebe ist sich selbst Zweck genug und verbietet jeden Missbrauch im Sinne eines anderen Zweckes. Wie macht es denn Jehowah? Lässt er sich auf einen “vorteilhaften Handel” ein? Macht er “Tauschgeschäfte”? “Gott ist Liebe!” so liest man es in der Bibel (1. Joh. 4:8). Und was Liebe im Christentum sein soll und sein kann, das liest man im 1. Korintherbrief, im Kapitel 13.

Das Christentum aber fordert eine Gesinnungsmoral. Es ist die Moralität des aufrichtigen Herzens. Ein Christ kennt seine Verantwortung vor Gott und ist durch Liebe mit dem Schöpfer verbunden. Was er tut, tut er aus Liebe, die aus einer tiefen Überzeugung kommt. Er tut das Gute, weil er es so will, weil er es für richtig und natürlich hält, sich so und nicht anders zu verhalten. Er fühlt sich immer unter dem Blick Gottes und wünscht demgemäß zu handeln. Die Gesinnungsmoral braucht keine Aufpasser, sie braucht nur das eigene Herz und den Geist Gottes.

Will man aber Gesinnungsmoral, dann muss man den Menschen ihre freie Entscheidung lassen, dann verbietet sich das Gängeln und Nörgeln, dann verbietet sich die ständige Unzufriedenheit und der dazu passende “Ansporn”, dann verbietet sich die ungeziemende Beeinflussung durch Propaganda und das Einreden eines schlechten Gewissens. Gesinnungsmoral setzt auf den guten Einfluss des Wortes und des Geistes Gottes; sie vertraut auf die Kraft zum Guten und darauf, dass “Gott es wachsen lässt”. Jeder Christ ist Gottes Bau! (1. Kor. 3:9) Gesinnungsmoral baut auf völlige Freiwilligkeit und nicht auf Druck und Zwang. Gesinnungsmoral setzt den freien Christenmenschen voraus, der gelernt hat, sich verantwortlich zu fühlen und der nicht mehr auf den Mitmenschen schielt, um sich mit ihm zu vergleichen. Gesinnungsmoral ist die Moral der Bergpredigt – nicht weniger! Sie ist Wahrheit und Wesen des Christentums.

Das soll aber niemals bedeuten, dass es nicht auch auf Menschen ankommt. Aber ihre Rolle erschöpft sich darin, Freunde zu sein, Mitarbeiter an der Glaubensfreude und echte Weggefährten. Dazu können Versammlungen gut sein, das sollte ihre Hauptaufgabe sein: Der Anreiz zur Liebe und guten Werken, eine Oase des Friedens und des Glaubens, ein Ort, wo man gern ist. Aber wie weit sind wir von diesem Ziel entfernt? Manchmal erinnert der Betrieb an eine Firma, die immer daran denken muss, Gewinn zu machen. Darum gibt es unter uns so viele Unerquickte.

Auf eine Sache muss ich noch zu sprechen kommen: Es ist die Erkenntnisfähigkeit des Menschen, die ja bekanntlich sehr begrenzt ist. Wir können uns der Wahrheit immer nur annähern. “Wir erkennen teilweise und sehen in verschwommenen Umrissen”. Das ist eine Tatsache, die auf jeden zutrifft. Ich bin also vor Irrtümern nicht gefeit. Doch wie gehe ich mit meinen Irrtümern um? Wenn ich die Wahrheit liebe, dann sehe ich meine Irrtümer als Irrtümer. Wenn ich den Irrtum erkannt habe, dann nenne ich ihn auch so! Das soll bedeuten, dass ich nicht so tun werde, als ob nichts gewesen wäre. Noch schlimmer wäre es, wenn ich eine Lüge nicht mehr als Lüge bezeichnen würde, sondern als “Licht”. Gerade dafür hat die “Organisation” ja oft genug Beweise geliefert. Was ich ihr vorwerfen muss, ist der leichtfertige Umgang mit der Wahrheit. Das ist ein moralischer Makel, der sich einfach nicht gehört. Ich bringe jedes Verständnis auf für einen Irrtum, der auf menschliches Unvermögen beruht. Ich erwarte aber von dem Betreffenden, dass er sich korrigiert und entschuldigt. Aber vom Sklaven hörte ich einmal: “Nein, der Sklave muss sich nicht entschuldigen!” Ja, so muss man es machen, dann wird das Licht bestimmt immer heller!

Nun habe ich das alles hinter mich gelassen. Ich habe mich innerlich abgewandt. Wie geht es mir nun? Es geht mir sehr gut, ich bin voller Freude und Frieden. Ich fühle mich von Jehowah und Jesus Christus geliebt, ich fühle mich bei ihnen geborgen. Manchmal kann ich dieses Glück nicht fassen. Ich bin ein armer, sündiger Mensch. Und doch darf ich zum Höchsten kommen? Das ist schon zu hoch für mich! Am liebsten würde ich sagen: “Blicke hinweg von mir!” Aber das geht ja auch nicht! Ich bin doch willkommen geheißen worden! Ich weiß doch, wem ich vertraue, an wen ich glaube. Ich habe doch den Allmächtigen gesehen! So kann ich immer nur wieder sagen: “Bitte sei mir, einem Sünder gnädig!”

Ich empfinde keinen Groll. Ich bin frei geworden und habe die Furcht vor Menschen verloren. Diese Freiheit macht mich im Glauben stärker und lässt die Hoffnung heller werden. Nun weiß ich, dass mein Leben im Glück des Glaubens nicht von einer “Organisation” abhängt, dass sie nicht mein “Rettungsdampfer” ist und nicht zwischen mir und Gott steht. Nun weiß ich mit aller Deutlichkeit, dass Jesus Christus mein Erlöser ist. Und ich weiß, dass Jehowah mich in seinen Vorhöfen wohnen lässt. Damit bin ich zufrieden!

Ich blicke gerne auf die Zeit zurück, als ich meine Glaubensgeschwister kennen lernte. Es war eine schöne Zeit voller neuer Einsichten, die mein Leben geprägt haben. Ich möchte diese Zeit nicht missen! Und ich bete für diese Menschen, dass sie sich selbst und ihrem Gott treu bleiben. Werden sie es schaffen? Das ist eine bange Frage, und ich muss daran denken, dass jeder seine eigene Verantwortung hat. Jeder Glaube wird geprüft! Und das will ich nicht verhindern.

Eine andere Frage beschäftigt mich noch: Wie werden meine Glaubensbrüder mich in Zukunft betrachten? Es ist zu erwarten, dass man mich als Abtrünnigen verleumden wird. Schwache Menschen werden sich dem offiziellen Verdikt anschließen, weil sie Angst haben. Das sei ihnen schon jetzt verziehen. Und was jene betrifft, die es besser wissen sollten, aber nicht entsprechend handeln: Das überlasse ich Jesus Christus.

Khalid

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Auf meinem Schreibtisch liegt ein Bild von Khalid.
Khalid ist ein kleiner syrischer Junge.
Khalid ist ein Opfer des Bürgerkriegs in Syrien.
Er ist eines von vielen Opfern.
Man könnte ihn deshalb vergessen.

Aber ich kann ihn nicht vergessen.
Er steht stellvertretend für alle.
Vor den Augen Khalids wurden Vater, Mutter und Geschwisterchen erschossen.
Der Tod kam in Gestalt von Soldaten, die vielleicht selbst Kinder zu Hause haben.
Khalid rannte in Panik davon.

Das Bild dieses Kindes geht mir nicht mehr aus dem Sinn.
Und es gibt noch Millionen solcher Bilder!
Der Krieg in Syrien und in der Welt geht weiter.
Es ist kein Ende in Sicht.

Auf meinem Schreibtisch liegt ein Bild von Khalid.
Ich werde seinen Gesichtsausdruck nie vergessen.
Ich wünschte, sein Bild wäre recht vielen Menschen ins Bewusstsein gebrannt.
Ich wünschte, es würde jeden Menschen so berühren wie mich.
Ich wünsche mir Mitgefühl für jeden Menschenbruder, aber …

Ich sah noch nie einen so verstörten und anklagenden Blick aus Kindesaugen.
Das Gesicht dieses Kindes verurteilt eine ganze Welt!
Und die Welt hatte die Macht, Kinder glücklich zu machen.
Warum hat sie es nicht getan?

Sie hat das Herz für Kinder und Menschen schon lange verloren.
Die Welt wird nicht von der Liebe, sondern vom Hass gelenkt.
Sie ertrinkt in Menschenblut und Tränen.
So habe ich jede Hoffnung auf eine Besserung verloren.
Denn die Menschen haben Gott verloren.
Nun sind sie sich selbst überlassen.
Nun gibt es nur noch Mord und Hass.

Die meisten Menschen haben es abgelehnt, der Kraft zum Guten zu folgen.
Jetzt hat das Böse die Alleinherrschaft übernommen.

Ich habe mich abgewandt.
Das ist mein Protest.
Ich entziehe mich, ich versage mich.
Ich kann mich nicht an diese Zustände gewöhnen!

Dieser Welt ist nicht zu helfen.
Täter und Opfer sind jederzeit austauschbar.
Es dominiert die Rache;
es herrscht die Rachsucht.
Die Rache verdunkelt die Herzen.
Sie macht blind für den Mitmenschen.
Sie macht die Menschen wahnsinnig.

Es wird noch viele kleine Khalids geben.
Erbärmliche und arme Welt!
Verlorene Welt!
Ach Khalid! Was wird aus dir werden? Vielleicht hast die nähere Verwandte, die dich aufgenommen haben und dir ein mehr oder weniger erträgliches Leben bieten können. Du könntest auch in einem der vielen Waisenhäuser oder Flüchtlingslager landen. Aber was mit dir auch geschehen wird, glücklich wirst du kaum werden, denn dein Unglück hat sich tief in dir festgefressen und geht überall mit dir mit. Du wirst nachts aufschrecken und schreien und bei Tag wirst du dich ablenken oder auch nicht. Wie soll dein Leben weiter gehen?

Es ist auch möglich, dass aus deinem Unglück ein abgrundtiefer Hass auf jene erwächst, die dir Unrecht zugefügt haben. In deinem Land gibt es viele junge Männer, die Khalid heißen. Das weiß ich aus den Berichten der Reporter, die euren Krieg in unsere Wohnzimmer tragen. Es ist möglich und alltäglich geworden, dass man auch dich verführt, dass man dich den Hass auf Menschen lehrt und du eines Tages auch auf Eltern anderer Kinder schießen wirst. Das ist alles möglich und alltäglich geworden. Es ist leider auch möglich geworden, dass Hassprediger dich dazu bringen, als lebende Bombe, als Selbstmordattentäter viele Menschen in den Tod zu stürzen. Vernichtung und Hass wirst du dann säen, so wie man es dich gelehrt hatte. Und vielleicht wirst du dir einbilden, Gott einen heiligen Dienst zu erweisen.

Alles dies ist alltäglich geworden. Das Morden ist ebenso alltäglich geworden, wie die Kindersoldaten, die Arbeitssklaven in Plantagen und die vielen heimat- und obdachlosen Kinder Asiens. Und alltäglich ist auch der Hunger, der jährlich Millionen Kinder frisst. Was wird aus dir werden?

Es kann sein, dass du eines Tages erkennst, wie der Mensch eigentlich leben soll und dass die Bestimmung des Menschen Liebe ist. Das wäre nicht nur schön, sondern auch das, was ich dir mit ganzem Herzen wünsche. So bete ich für dich.