“Und an den Küsten steigt die Flut”. So könnte man die gegenwärtige Situation in der Welt beschreiben. Wir sehen eine rasche Zunahme der Probleme, die den Fortbestand der Menschheit bedrohen. Wohin man auch blickt, überall wachsen die wirklichen und lebensbedrohenden Probleme wie Pilze aus dem Boden. Sei es der wachsende Hunger nach dem täglichen Brot, die Zerstörung der Umwelt durch Habgier und Unverstand, das weltweite Wettrüsten, die zunehmende Anarchie, der weltumfassende Krieg, der islamistische Terror oder die steigende Flut der Flüchtlinge – alles strebt scheinbar zu einem Höhepunkt und das alles ist nicht mehr zu beherrschen. Den Politikern ist das Heft der Handlungsfähigkeit aus der Hand geglitten; der Rat, der zum Ausweg führen könnte, ist verschwunden.

In den vielen Talkshows versammeln sich Politiker aus allen Parteien und streiten über den Ausweg und über die Bewältigung der Flüchtlingskatastrophe. Man muss es schon Katastrophe nennen, denn was auf Europa zurollt, kann man nicht anders bezeichnen. Und in diesem Kontext hat jeder eine Meinung, aber keinen guten Rat. Jeder widerspricht jedem, und doch ist keine Lösung in Sicht, die unser Gewissen zufrieden stellen könnte.

Die Schließung der Grenzen ist eine mögliche Lösung, aber man weiß schon vorher, dass sie keine dauerhafte sein kann. Man kann niemals zusehen, wie vor den Grenzen Menschen umkommen. Sollte man aber eines Tages doch zusehen können, dann ist es vorbei mit unserer Menschlichkeit und dem ganzen Gerede darüber. Dann geht es nur noch um uns als Einzelne, dann haben wir uns aus dem kollektiven Verbund der Menschheit herausgelöst, dann geht uns der Rest der Welt ja gar nichts mehr an.

Sollte es dazu kommen, dann verlieren wir auch noch des Rest von Anstand, ohne es eigentlich zu wollen, dann herrscht der Zustand der Notwehr, der das Ende einleitet. Die Folge wird sein, dass schließlich jeder gegen jeden kämpft.

Es lässt sich nicht leugnen, dass wir alle eine gewisse Mitschuld an den herrschenden Verhältnissen haben. Und unser Gewissen wird uns eines Tages genau dies vorhalten, weil wir tatsächlich den Mitbruder in der Welt eher als Mittel zum Zweck, denn als Mitmenschen gesehen haben, für den auch wir verantwortlich sind. Das ist jedenfalls in meinem christlichen Weltbild enthalten. Die Welt wurde ausgebeutet, sie wurde als Warenlager und billige Arbeitskraftressource gesehen. Das begann schon vor Jahrhunderten und heute ernten wir die Früchte einer Politik, die immer nur auf Gier zurückzuführen war.

Was macht es denn fast unmöglich, ein bedrohliches Problem zu lösen? Es sind nicht so sehr die nackten Umstände, sondern der Mensch selbst. Wie schrieb F. Nietzsche? “O Mensch! Von Wollust ausgeloht, du bist die Wüste, bist der Sein, der Tod!” Ja, wir sind Wüste, Stein und Tod, weil wir unsere Verantwortung für den Menschenbruder beiseite geschoben haben. Die Welt wurde von habgierigen Krämerseelen gestaltet und ausgebeutet. Jetzt besteht die Gefahr, dass die ganze Firma in die Luft fliegt. Jetzt versagt der Verstand, der früher noch Problemchen lösen konnte, und sei es durch Kriege. Aber das scheint vorbei zu sein! Ratlosigkeit beherrscht das Feld.
Wie soll man auch Lösungen finden, wenn es nicht mehr möglich scheint, zu einer Übereinkunft zu kommen? Wie soll man Übereinkünfte erzielen, wenn jeder seinen eigenen Vorteil sucht? Wie soll man zum Teilen und zum Einlenken bereit sein, wenn man sich vor Gott nicht verantwortlich fühlt? Wie soll man sich verantwortlich fühlen, wenn man von Gott verlassen ist oder ihn einfach nicht kennt?

So bleibt dann nur die Ratlosigkeit, die wie ein böses Geschwür wächst. Genau diese Ratlosigkeit, die auch eine Ausweglosigkeit ist, beschreibt die Bibel für die letzten Tage der Menschheit. So lasse ich Friedrich Sieburg sagen: “Wir sind am Ziel, wir sind am Ende”.

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