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Ein oft gehörter Satz ist dieser: „Glauben heißt nichts wissen.“ Und man gibt sich mit diesem Satz in den meisten Fällen zufrieden, ohne darüber nachzudenken. Hat dieser Satz denn eine uneingeschränkte Berechtigung?

Wenn ich an das große Gebiet des Aberglaubens und der Esoterik denke, dann kann ich zustimmen, wenn man sagt, dass glauben nichts zu wissen bedeutet. Denn was glaubt man nicht alles in unserer aufgeklärten Zeit! Jede Dummheit kann man glauben!

Wie sieht es auf dem Gebiet der exakten Wissenschaften aus? Um es kurz zu machen: Auch hier muss man glauben! Das ist kein Paradox, es ist einfach so. Ich nenne ein Beispiel:
Das ganze stolze Gebäude der Mathematik und der Naturwissenschaften ruht auf dem Erfahrungssatz, dass 1 + 1 = 2 ist. Aber es ist nicht möglich, diese einfache Formel mit der strengen Logik der Mathematik zu beweisen. Es bleibt ein Erfahrungssatz, sosehr man sich auch bemühen mag, es doch beweisen zu wollen. Und das ist nicht das einzige Problem! So manches, was wir für wahr halten, ist nicht zu beweisen.

Und nun komme ich auf den christlichen Glauben (nur um ihn geht es hier) zu sprechen und auf die einfache Frage, ob es einen Gott, einen Schöpfer, also die „erste Ursache“ gibt. Darüber streitet man sich schon seit Beginn der Menschheit. Inzwischen hat man wohl schon begriffen, dass man die Existenz Gottes wissenschaftlich nicht beweisen kann. Auch das Gegenteil zu beweisen, ist nicht möglich. Was manchmal als Indizienbeweis angeführt wird, muss natürlich auch geglaubt werden – oder auch nicht. Für die einen ist die ganze Schöpfung das Werk eines Schöpfers, für die anderen kam alles von allein. Ich möchte diesen unnützen Streit aber hier nicht auffrischen, ich möchte versuchen, das Phänomen des Glaubens einmal von der Seite eines Glaubenden zu beleuchten, denn eigentlich geht es nicht so sehr um verstandesmäßig zu begründende Argumente, sondern um das Gewissen, die innere Wahrhaftigkeit, Gewissheiten im Menschen und die Verantwortung des Menschen vor Gott. Es geht also um Dinge, die wenig mit der Alltagslogik und viel mit Moral zu tun haben. Und gerade hier scheiden sich die Geister! An anderer Stelle habe ich schon ausgeführt, dass es im Christentum zuerst um Moral und Moralität geht, und zwar um jene Moral, die in der göttlichen Verbundenheit wurzelt und die viel mit der Verantwortung vor Gott zu tun hat. Da es aber damit in der gegenwärtigen Zeit schlecht bestellt ist, kann man nicht erwarten, dass dieser Glaube populär ist.

Man kann es in der Bibel finden: Gott offenbart sich nur jenen Menschen, denen er sich offenbaren will! Und nur diese Menschen haben eine Erfahrung mit Gott, die für sie zur Gewissheit wird, die nicht mehr bewiesen werden muss. Ich führe zwei Beispiele an: Es sind Gestalten aus der Bibel. Es ist Hiob, der sagen konnte: „Ich weiß, dass mein großer Schöpfer lebt!“ Er sagte ausdrücklich nicht, dass er an Gott glaube; nein, für ihn war Gott eine Realität, die er nicht leugnen konnte. Wie mag er dazu gekommen sein? Die Bibel war noch nicht geschrieben. Vielleicht gab es in seinem Umfeld Menschen, die etwas über Gott zu sagen wussten. Aber das allein wird nicht ausgereicht haben, dass sich Gott dem Hiob so deutlich zu erkennen gab, dass er von einer Gewissheit sprechen konnte. Um dieses Problem zu lösen, möchte ich einen Satz aus dem Psalm 64 zitieren: „Glücklich ist der Mensch, den du erwählst und herzunahen lässt, damit er in deinen Vorhöfen weilt.“ Also: Glücklich ist derjenige, den Gott erwählt und einlädt, in seiner Nähe zu sein. Aber wer wird denn überhaupt eingeladen? Weil diese Frage am Anfang des 15. Psalms steht, möchte ich auch gleich auf die Antwort hinweisen, die im selben Psalm gegeben wird: „Wer untadelig wandelt und Gerechtigkeit übt und die Wahrheit redet in seinem Herzen.“ Nun war Hiob so ein Mensch und deshalb hat sich Gott ihm zu erkennen gegeben. Ein anderes Beispiel wäre der Patriarch Abraham, der ebenfalls mit seinem Schöpfer vertraut war. An diesem Menschen rühmt die Bibel den unerschütterlichen Glauben. Dieser Glaube war einfach. Abraham wusste auch noch nichts von der Bibel, aber seine Erfahrungen mit Gott brachten es mit sich, dass er eine hohe Meinung vom Schöpfer hatte und ihm nicht Ungereimtes, Falsches oder Böses zuschreiben konnte. Für Abraham sowie für Hiob war der Höchste DIE MORALISCHE INSTANZ. Darüber hinaus beinhaltete Abrahams und Hiobs Glaube die Gewissheit, dass Gott sein Wort hält! Beide Männer hatten ihren Glauben mit Leben erfüllt, indem sie auch danach zu leben suchten, indem sie Gott, ihrem Vater im Himmel, unbeirrbar vertrauten.

Hat sich Gott inzwischen geändert, dass er jetzt auf Glaubensbekenntnisse, Zeremonien und Religionen Wert legen sollte? Er hat sich nicht geändert! Es ist im Prinzip immer noch so, dass die Religion des Menschen darin besteht, sich an Gott zu binden, indem er „Recht übt, Güte liebt und bescheiden mit seinem Gott wandelt“ (Micha 6:8). Jeder Mensch steht in seiner Verantwortung vor ihm, ist ihm Rechenschaft schuldig. Und nur wer das anerkennen will, wird den Weg zu Gott suchen. Die einzige Änderung besteht darin, dass Gott seinem Sohn die Autorität übertragen hat, den Weg zu ihm zu weisen. Kann man den Weg finden? Doch, man kann ihn finden. Jesus Christus sagte von sich (Johannes 14:6): „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, außer durch mich.“ Um den „Weg“ zu Gott zu verdeutlichen, möchte ich noch ein Zitat geben: „Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und niemand erkennt den Sohn völlig, als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater völlig, als nur der Sohn und jeder, dem der Sohn ihn offenbaren will.“

So gesehen offenbart sich Gott dem Menschen durch seinen Sohn Jesus Christus. Warum das so sein muss, will ich hier nicht ausführen, denn es geht mir um den Glauben, der einem Menschen gewährt wird, und der nicht mehr Blindgläubigkeit ist, sondern erlebte Realität, die ihre Wirkungen hat.

Nun ist es so, dass diese Realität nur solchen Menschen zugänglich ist, denen Glaube im Sinne der Bibel gewährt worden ist. Es ist nicht möglich, diese Realität einem anderen Menschen zu vermitteln, der nicht glauben kann oder glauben will. Darum sind auch viele Diskussionen über den Glauben häufig Gespräche zwischen Blinden und Sehenden. Irgendwann wird der Sehende feststellen, dass er nicht von der Stelle kommt, dass er nicht in dem Sinne überzeugen kann, dass der Gesprächspartner sagt: „Ich glaube!“ Es sind immer zwei verschiedene Welten gewesen, die fast nichts gemein haben. Für den Glaubenden ist seine Realität größer, sie umfasst auch das Unsichtbare, das Geistige. Er kennt die Wirkung der Kraft zum Guten, die von seinem Gott kommt. Er fühlt sich in einen großen Gesamtzusammenhang gestellt und weiß, dass er mit allem und allen verbunden ist. Diese Verbundenheit erfüllt ihn mit dem Schönsten, was man am Menschen finden kann, mit Liebe. In der Liebe sieht er sein Ziel! Paulus hat es so formuliert: „Das Ziel dieses Auftrags ist tatsächlich Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.“ (1. Timotheus 1:5). Und das ist eine Wirkung des Glaubens, den Gott gewährt.

Aus dieser Wirkung erklärt sich auch die Haltung eines Glaubenden zur Welt. Unter Welt versteht er jene Welt, die durch das Böse beherrscht wird. Er will damit nichts zu tun haben und unternimmt alles, um nicht doch vereinnahmt zu werden. Deshalb geht er einfach nicht hin, wenn Krieg ist. Er hat keine Feindbilder mehr, alle Menschen sind seine Nächsten! Er hebt sich durch seinen Lebenswandel deutlich von jenen ab, die Gott nicht kennen. Das bedeutet nicht, dass er fehlerlos ist und nicht sündigt. Nein, er kennt seine Sündhaftigkeit genau. Was ihn aber unterscheidet, ist der Wille zur Gerechtigkeit, der Wille zum anerkannt Guten. Er besiegt die Welt durch seinen Glauben (1. Johannes 5:4). Seine Wünsche und Hoffnungen wurzeln in der Zukunft, von der er weiß, dass sie Gott gestalten wird; er wartet auf das Friedensreich Jesu und hat den Mut, dazu zu stehen. Er erwartet unter der Herrschaft Jesu Christi ein „neues Herz“ (Hesekiel 36:25-27) und einen „neuen Geist“ zu bekommen, er erwartet also, von seiner eigenen Sündhaftigkeit befreit zu werden. Das tut nur jemand, der den „Unsichtbaren gesehen“ hat.

Man kann natürlich diese Menschen mit abschätzigem Blick betrachten und sie für weltfremde Schwärmer halten, aber das mindert nicht ihre Stärke und macht ihren Glauben noch lange nicht unwirklich. Die Welt taumelt von einer Katastrophe in die andere. Alles lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Die Welt kennt Gott nicht! Sie kennt eine Menge Aberglauben und betreibt ihn mit aller Ernsthaftigkeit, was aber wirklich zählt, sind die „Früchte“. Sind es gute Früchte? Oder sind es Früchte, die am Ende nur eine einzige Anklage sind? Der Glaubende hat damit nichts zu tun. Es sind die Werke derer, die Gott aus ihrem Leben verdrängt haben, die nun ziellos umherirren und das ernten müssen, was sie gesät haben.

Das liest sich jetzt wie eine Schwarz-Weiß-Malerei. Natürlich ist Gott barmherzig und vergibt Sünden. Aber dazu muss ein Mensch erst kommen! Er muss einsehen, dass er schuldig ist, er muss sich seiner schlechten Taten schämen. Der Glaubende kann es – aus Überzeugung – der Ungläubige lehnt es ab (auch aus Überzeugung). Für jeden Menschen gibt es einen Gerichtshof, und das ist sein Gewissen. Hier begegnet er Gott, hier steht er nackt und bloß vor Gott, auch wenn er ihn nicht kennen will. Und gerade die Funktion des Gewissens zeichnet einen Glaubenden aus. Gewissen, das ist für ihn die Grundlage eines Glaubens an Gott. Er weiß, dass es ohne Gewissen keinen Glauben geben kann, denn Gott offenbart sich nur solchen Menschen, die sich vor ihrem Gewissen verantwortlich fühlen.

Der Glaube, der von Gottes Kraft gespeist wird, macht Unsichtbares sichtbar. Diese Menschen werden immer so handeln, als sähen sie den Unsichtbaren. Sie werden den Mut haben, den eigenen Tod nicht zu fürchten. Sie sind nicht mehr durch Todesfurcht erpressbar. Und dafür gibt es viele Beweise.

Ist glauben nichts zu wissen? Ich habe versucht, etwas anderes zu zeigen. Was ich bisher geschrieben habe, ist noch nicht alles. Aber auch dies würde nur immer wieder bestätigen, dass der Glaube, von dem die Bibel spricht, keine Einbildung ist, sondern ein Geschenk Gottes an den Menschen. Der Glaube lebt und wirkt.

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