Schlagwörter

, , , ,

“Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, in seinem Gleichnis.”

Er schuf sich ein Gegenüber, mit dem er sprechen konnte, ein Gegenüber, das lächelt und über dessen Antlitz Tränen fließen können. Er gab ihm eine schöne Gestalt, wunderbare Ausdrucksfähigkeiten, die Sprache und ein Bewusstsein, das reicher nicht sein kann. Er bekam die Freiheit in der Verantwortung, ein Gewissen und einen inneren Maßstab für Gut und Böse. Aber vor allem bekam er die Fähigkeit zur uneigennützigen Liebe! Und Gott legte die “ewige Zeit in sein Herz” und damit die Sehnsucht nach göttlicher Nähe, nach Sinn und Inhalt des Lebens. So hätte es ein schönes Leben für jeden Menschen geben können, aber homo sapiens geriet mit der Zeit zum Spezialisten für Weltuntergänge!

Und dieses edle Geschöpf wird in unserer Welt des 21. Jahrhunderts so behandelt, als gäbe es keine anderen Bedürfnisse als sinnlosen Konsum, öde Unterhaltung und biologische Triebbefriedigung, also nichts als “Spaß”. Alle seine hervorragenden Qualitäten werden für Sinnloses verbraucht, für den Untergang aktiviert und dienen selten dem wahren Glück. Anstelle seiner Liebe ist vielfach die Habgier getreten. Haben-wollen ist alles geworden, geben spielt eine Nebenrolle. Es ist eine Welt der reinen Zwecke entstanden, die unser Herz gefrieren lässt.

Das Ganze läuft darauf hinaus, dass der Mensch sich nicht selbst lebt, sondern gelebt wird. Er wird von allen Seiten vereinnahmt. Und langsam kommt das große Vergessen: Man vergisst sich selbst, seine ureigenen wahren Bedürfnisse, seinen inneren Menschen. Man vergisst, wie man sich selbst im Sein anfühlt und was unsere wahre Heimat einst war.

Es gibt viele Zeitgenossen, die eines der zahlreichen Seminare zur Selbstfindung besuchen. Aber was suchen diese Menschen wirklich? “Sich selbst!” werden sie sagen. Sie haben also den Eindruck, sich selbst irgendwo auf tausend Wegen verloren zu haben! Manchmal scheinen sie es aber selbst nicht genau zu wissen, sondern nur zu ahnen. Und nun hoffen sie auf ein spirituelles Erlebnis, das sie zu einer geistig-seelischen Erneuerung führen kann.

Und was findet man oft in den Seminaren? Man findet den Rat der Psychologen: “Du bist wichtig! Du hast Rechte! Liebe dich selbst! Tue dir etwas Gutes! Setze dich durch!”

Schön und gut. Der moderne Mensch wird vereinnahmt; er wird ausgenützt, benutzt – und wenn nötig auch weggeworfen. Er muss funktionieren und Nutzen bringen. Er ist zur ökonomischen Rechengröße verkommen. Und da können Psychologen schon ein wenig helfen, die Balance zwischen Gesellschaft und Individuum zu finden.

Aber auf die eigentlichen Fragen, die der Suchende haben mag, gib es da keine Antwort. Er mag sich fragen, wer er eigentlich ist und was er wirklich braucht. Aber die Selbstfindungsseminare und Meditationswochenenden geben keine brauchbare Antwort darauf. Man richtet seinen Blick vielleicht nur nach innen, und wenn innen Leere herrscht, wird die Ausbeute entsprechend sein. Wie soll man meditieren, wenn man nicht weiß, wohin die Reise gehen soll? Es bringt wenig, sich irgendeinem “Meister” anzuvertrauen und zu hoffen, dass durch ihn die ersehnte Erleuchtung kommt. Und vielleicht keimt der Gedanke auf, dass man seine Reise in sich selbst nicht delegieren kann, man muss sie selbst antreten und machen.

Es muss jetzt bemerkt werden, das unsere Gesellschaft an der Beantwortung solcher Fragen gar nicht wirklich interessiert ist. Es ist leider so, dass die Gesellschaft die Menschen an ihren dummen Konventionen misst, sie durch sinnlose Forderungen durch das Leben hetzt und sie dadurch versklavt. So rennen und jagen die Menschen durch die Zeit und verlieren sich selbst und werden mit seltsamen Wertvorstellungen gefüttert: Oben steht, wer jung, erfolgreich, schön, reich, prominent, sexy, promiskuitiv, ehrgeizig und skrupellos ist. Und so entsteht der Eindruck, dass der Mensch nur dazu da ist, so zu sein, wie es ihm vorgegaukelt wird. Und natürlich erwecken jene, die so leben (und leben können) den Eindruck, “ganz toll glücklich” zu sein. Aber wehe, wenn die Katastrophe kommt! Dann wird ganz schnell die Dummheit und Hohlheit eines solchen Lebens sichtbar.

Das mag für manchen die Gelegenheit sein, inne zu halten und sich zu fragen: “Was mache ich eigentlich?” Und was macht man, wenn die Psychoseminare zur Selbstfindung keine verbindliche Antwort geben können? Was tut man, wenn sich eine hässliche Ratlosigkeit einstellt und man merkt, dass man sich nicht weiter wie bisher selbst belügen kann? Denn wovon lebt der Mensch tatsächlich?

Es ist leider eine Tatsache, dass die Moderne Gott abgeschafft hat. Aber hat sie dadurch den Menschen glücklicher und die Welt besser gemacht? Lässt sich Gott so einfach abschaffen? Bestimmt nicht, aber man kann ihn in sich sterben lassen. Und das ist der eigentliche Verlust, der so schwer wiegen kann, wenn man vor dem Nichts steht und nicht mehr weiter weiß.

Von F. Nietzsche ist eine Parabel bekannt: Ein Mensch streift durch eine Stadt und sucht etwas. Auf die Frage, was er suche, antwortet er: ‘Gott!’ Und er fügt hinzu: ‘Ich sage euch: Wir haben ihn ermordet, ihr und ich!’

Es ist also der Verlust Gottes, der unsere moderne Zeit auszeichnet. Und mit dem Verlust Gottes kommt es auch zum Verlust der Verantwortung, denn Verantwortung kann nur unter den prüfenden Augen Gottes greifen: Sie kann nur greifen, wenn man weiß, dass man Rechenschaft geben muss. Unsere Verantwortung braucht die höchste Instanz! Schon deshalb brauchen wir Gott. Und wir brauchen ihn auch, weil er uns die Kraft und den Mut zum Tun des Guten gibt.

“Verantwortlich ist jeder vor sich selbst!” sagt der Zeitgeist. Aber wie gut trägt diese Verantwortung? Sie funktioniert nur so lange, wie der betreffende Mensch es will. Passt sie ihm nicht mehr in seinen Kram, dann kann er sie aufkündigen. Beispiele dafür gibt es in Fülle. Im Zweifelsfall entscheidet das Geld. Und so haben wir eine Zeit der Verantwortungslosigkeit, in der viele korrupt, durch Habgier erpressbar und gewissenlos sind. Jedenfalls ist das mein Eindruck, und ich lebe schon lange genug, um das sagen zu dürfen.

Aber alles das kommt in den Selbstfindungsseminaren nicht zum Ausdruck! Im Mittelpunkt steht immer der einzelne Mensch. Und das ist viel zu wenig! Man kann sich nur finden, wenn man Gott als seinen persönlichen Gott und Vater im Himmel findet. Dann erst wird man erfahren, welche Bedürfnisse man wirklich hat, wer uns tatsächlich helfen kann, das Leben sinnvoll und mit einem liebenden Herzen zu leben. Die verantwortungsbewusste Liebe zu Gott und den Menschen führt uns zu uns selbst.

Advertisements